Bandscheibenverschleiß

Der Verschleiß an den Bandscheiben ist häufig Ausgangspunkt für Rückenschmerzen. Doch was bedeutet Verschleiß? Mit Verschleiß oder auch Abnutzung (medizinisch: Degeneration) sind die Folgen einer dauerhaften Beanspruchung gemeint. Die Bandscheiben haben die Aufgabe der Wirbelsäule Stabilität zu geben gleichzeitig jedoch Mobilität (Bewegung) zu ermöglichen.

 

  • Die Bandscheibe verbindet beweglich zwei Wirbelkörper miteinander. Dies wird als Bewegungssegment bezeichnet.

  • Die Spannkraft der Wirbelsäule wird durch den Druck in den Bandscheiben gewährleistet. Dieser beträgt im Sitzen 145 - 210 PSI. Zum Vgl. Rennradreifen 100 PSI, Autoreifen  ca. 50 PSI, Fußball ca. 10 PSI.

  • Im Stehen sinkt der Druck um 30%, in Seitenlage um 50% und in Rückenlagen um 80  bis 90%. Der Druck steigt im Sitzen um 200% und ist am höchsten, wenn wir uns im sitzen nach vorn beugen.

  • Eine durchschnittliche Wirbelsäule macht ca. 100.000.000 Bewegungen im Leben. Daraus ergibt sich die hohe Beanspruchung.

  • Die Stabilität der Wirbelsäule wird auch durch Bänder und Muskeln sichergestellt. Diese halten die Wirbelsäule unter Spannung.

Abbildung 1. Das Bewegungssegment bestehend aus einer Bandscheibe und zwei Wirbelkörpern. Bei nach vorn neigen wird die Bandscheibe vorn belastet und hinten entlastet. Bei Rückneigung ist es genau umgekehrt. Die Bandscheibe braucht Be- und Entlastung, damit die Bandscheibenzellen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden und Abfallprodukte die Bandscgheibe verlassen können.

Abbildung 2. Darstellung der Bandscheiben im MRT. Eine normale gesunde Bandscheibe ist prall und elastisch. Sie hat viel Flüssigkeit gespeichert und entspricht einer Weintraube. Im MRt erscheint diese Bandscheibe weiß-grau. Eine verschlissee Bandscheibe ist „trocken“ und brüchig. sie hat Flüssigkeit verloren und entspricht einer Rosine. Im MRT erscheint diese Bandscheibe schwarz, die so genannte „Black disc“.

Abbildung 3. Bandscheibenverschleiß. Im Verlauf von Jahren trocknet die Bandscheibe bei chronischer Belastung allmählich aus. Sie verliert an Elastizität, wird spröde und brüchig. Dadurch verliert sie auch ihre Funktion, nämlich die Erhaltung von Stabilität und Mobilität

Abbildung 4. Häufig beginnt der Verschleißprozess an der am meisten beanspruchten Bandscheibe. Dies ist zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel, bzw. dem 5. Lendenwirbel und dem Kreuzbein. wenn diese Bandscheibe ihre Funktion verloren hat, werden die Nachbarbandscheiben mehr belastet, da diese die verlorene Funktion kompensieren müssen. Dadurch schreitet der Verschleißprozess voran und die Beschwerden nehmen zu. Die rechten Bilder zeigen, wie durch chronischen Belastung, die Bandscheibe allmählich „zerdrückt“ wird und Wirbelkörper auf Wirbelkörper reiben bei fehlendem Puffer. Dies ist mit besonders starken Schmerzen verbunden, da dadurch auch die Wirbelgelenke mehr belastet werden.

Abbildung 5. Letztlich führt Bandscheibenverschleiß und der Verlust an Stabilität zu Deformitäten, d. h. krankhaften Verkrümmungen der  Wirbelsäule, Verdickung von Gelenken (Spondylarthrose) und Verstärkung von Wirbelkörpern (Spondylose). Der Prozess ist häufig mit starken Schmerzen verbunden.

Eine Bandscheibe besteht aus dem inneren weichen Kern (Nucleus pulposus) und dem äußeren Faserring (Annulus fibrosus). Durch Beanspruchung, d.h. Belastung Im Laufe des Lebens dehydriert der weiche Kern, d.h. er verliert an Wasser und „schrumpft“ (aus einer Weintraube wird eine Rosine). Im MRT erscheint diese Bandscheibe schwarz als so genannte „Black disc“. Ursache für den Wasserverlust ist ein Absterben von Bandscheibenzellen, den so genannten Chondrozyten, wodurch wichtige Eiweiße nicht mehr produziert werden können die so genannten Proteoglykane. Diese binden Wasser und sorgen für die Elastizität der Bandscheiben und stellen die Doppelfunktion der Bandsacheibe sicher: Stabilität und Mobilität.

Die Bandscheiben haben jedoch keine Gefäße, d. h. die Versorgung der Bandscheibe erfolgt durch Diffusion. Nährstoffe müssen „angesaugt“ und Abfallprodukte „ausgespuckt“ werden. Die Bandscheibe funktioniert hier ähnlich einem Schwamm während der Belastung (hoher Innendruck) ist der Schwamm ausgedrückt und Abfallprodukte können die Bandscheibe verlassen. In der Entlastung (niedriger Innendruck) werden Nährstoffe aufgenommen („angesaugt“). Ist der Innendruck in der Bandscheibe über lange Zeit hoch kommt es zu einer Minderversorgung der Bandscheibenzellen und diese sterben allmählich ab. Es beginnt der Verschleißprozess.

Es ist sicherlich schwierig den Verschleißprozess zu stoppen bzw. umzukehren. Obwohl es auch dafür Ansetze gibt. Das Nahziel der meisten therapeutischen Maßnahmen ist es den Prozess zu verlangsamen. Man sollte sich stets Etappenziele setzen und von dem Erreichten dann erweitern. Es gibt Verbesserungs- und Optimierungspotential.


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